|
|
3-W-Tagung in Waldmünchen
30. April bis 02. Mai 2004
Kurzdokumentation
Etwa 25 Teilnehmer/-innen von Landesjugendservern, medienpädagogischen und Jugendinformationseinrichtungen kamen vom 30. April bis zum 02. Mai in Waldmünchen zusammen, um zu erfahren, wie der aktuelle Stand bei der Bundesinitiative Jugend ans Netz (JaN) und beim Jugendserver des Bundes und der Länder ist.
Bei sommerlichen Temperaturen und vor dem Hintergrund des historischen Ereignisses der EU-Erweiterung durch 10 neue Mitgliedsstaaten befand man sich im schönen Waldmünchen – nahe der tschechischen Grenze – sozusagen mitten im Geschehen. Mitten im Geschehen wähnten sich die Teilnehmer/-innen auch bei den Beiträgen zur Bundesinitiative Jugend ans Netz, die aus unterschiedlichen Perspektiven den Fortschritt des Projektes beleuchteten und in seiner Prozesshaftigkeit deutlich machten.
Am ersten Abend (30.04.) gab es nach einer kurzen Einführung in die aktuellen Rahmenbedingungen des Projektes (Träger, Terminierungen, etc.) durch Jürgen Ertelt eine Einführung in das Content-Sharing-Konzept, das die Agentur Hundertelf (http://www.hundertelf.com/) seit Januar diesen Jahres entwickelt hat. Claus Seiberth demonstrierte das eindrucksvolle Potenzial dieses individuellen, modular aufgebauten Content-Management-Systems. Durch die Option der direkten redaktionellen Bearbeitung im frontend ist eine hohe Benutzerfreundlichkeit und eine demokratische, wenig hierarchisierte Nutzung garantiert. Die Software ist fertig gestellt und das Portal befindet sich im Aufbau. Es bot aber bereits einen guten Eindruck der vielfältigen kreativen Möglichkeiten, die aktuell auf dem Internet-Markt ihresgleichen suchen.
Der Samstag (01.05.) begann mit einer Einführung in die aktuelle Situation des Jugendservers. Anneli Starzinger veranschaulichte die schwierigen Rahmenbedingungen, die die Weiterentwicklung des Jugendservers seit Monaten erschweren. Nach dem Ende der zweiten Projektphase Ende 2003 ist nun eine Neuorientierung des Portals hin zu einem Portal der Kinder- und Jugendhilfe geplant. Neben Bund, Ländern und IJAB ist als neuer Partner die Arbeitsgemeinschaft der Kinder- und Jugendhilfe (AGJ, http://www.agj.de) mit im Boot, die die inhaltliche Ausweitung der Themengebiete um das große Spektrum der Kinder- und Jugendhilfe wesentlich verantworten soll. Allerdings soll das Themengebiet der Jugendinformation nicht unter den Tisch fallen. Auch die jährliche Fachtagung soll erhalten bleiben und wie zuvor ein Forum zum Austausch von Fachkräften der Jugendinformation bieten. Das Projektbüro soll zunächst weiter beim IJAB angesiedelt bleiben, wird aber eher momentan wie eine Betreibergesellschaft gesehen, die mit ihrem Know-How auf dem Gebiet internetgestützter Informationsangebote die Qualität des neuen Portals garantieren soll. Über ein vom IJAB vorgeschlagenes Konzept zur Weiterentwicklung des Jugendservers hin zu einem Portal der Kinder- und Jugendhilfe konnte bisher keine Einigung erzielt werden. Vom 22.-23.06.2004 soll es einen Konzept-Workshop in Berlin geben, an dem mit Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe ein tragfähiges Konzept erarbeitet werden soll. Wünschenswert wäre eine Teilnahme an diesem Workshop durch einige Repräsentant/-innen der Landesjugendserver, um deren Bedürfnisse und Wünsche bei einer Weiterentwicklung mit einbeziehen zu können. Eine entsprechende Information und Einladung wird rechtzeitig durch das Projektbüro verschickt werden.
Auf dem sich anschließenden Spaziergang zur nahe gelegenen Tschechischen Grenze gab es die Gelegenheit, das Gehörte zu verdauen und in Kleingruppen zu diskutieren. Gleichzeitig bot der steile Anstieg zum Grenzübergang Anlass zu Reflexionen über die deutsch-tschechische Geschichte und zu Visionen über neue europäische Perspektiven.
Nach der Mittagspause ging das Programm weiter mit der Vorstellung des aktuellen Standes der Ausstattungsinitiative durch das E-Werk-Sassnitz (http://www.ewerk-sassnitz.de/) von Peter Kordes. Im Rahmen eines so genannten "Log-In-Modells" sollen bei der Ausstattungsinitiative Jugendeinrichtungen drei unterschiedlich leistungsstarke betriebsfertige Computer zur Verfügung gestellt werden, die über ein Online-Formular bestellt und sodann zügig ausgeliefert werden. Die monatlich in Rechnung gestellte Leasingsumme (je nach Ausstattung des Computers) beinhaltet dabei den gesamten technischen Support und die Wartung der zur Verfügung gestellten Hard- und Software. Ist ein Problem durch Online- oder Telefonsupport nicht zu lösen, wird der Rechner innerhalb weniger Tage ausgetauscht. Sind die Computer nach einer gewissen Zeit veraltet, werden sie problemlos zurückgenommen und durch neue, technisch aktuelle Rechner ersetzt.
Mehr Details finden Sie unter: http://www.jugend.info > Ausstattungsinitiative > Infos für Einrichtungen.
Im Anschluss an die Vorstellung der Ausstattungsinitiative gaben Birgit Grämke (Bundesinitiative JaN/Stiftung Demokratische Jugend) und Jürgen Ertelt einen Einblick in E-Learning und Qualifizierungsangebote der Bundesinitiative. Vertraglich sind E-Learning-Angebote im Rahmen der Bundesinitiative nicht vorgesehen, was angesichts des komplexen Gesamtauftrags erstaunt. Es gibt aber einige Computerfirmen, die durchaus ein Interesse daran hätten, Lerneinheiten zu unterschiedlichen Softwarethemen zu entwickeln und tutoriell zu begleiten und ein entsprechendes Angebot auch finanziell unterstützen würden. Es wurde in den Raum gestellt, ob solche E-Learning-Angebote als sinnvoll und wünschenswert erachtet würden. Im Plenum gab es durchaus Zustimmung für entsprechende Angebote auf dem neuen Portal.
Als abschließender Programmpunkt an diesem Tage stellte Nadia Kutscher von der Universität Bielefeld erste Ergebnisse der die Bundesinitiative begleitenden Forschung vor. Im Rahmen der Forschung wird das Internetnutzungsverhalten von Jugendlichen aus unterschiedlichen Bildungsschichten untersucht. Die Ergebnisse sollen eine Anpassung der Software an die spezifischen Bedürfnisse unterschiedlicher Nutzerkreise ermöglichen. Leider wird die direkte Umsetzung der Forschungsergebnisse in die Softwareentwicklung dadurch erschwert, dass die Aktivitäten zeitgleich erfolgen. Endgültige Ergebnisse werden voraussichtlich erst dann vorliegen, wenn die Softwareentwicklung längst abgeschlossen ist. Allerdings soll auch nach Online-Schaltung des Portals das Nutzverhalten weiterhin durch die Universität Bielefeld untersucht und analysiert werden. Erste Ergebnisse der Untersuchung und detailliertere Informationen zum Kompetenzzentrum Informelle Bildung lassen sich unter folgender Adresse abrufen:
http://www.uni-bielefeld.de/paedagogik/agn/ag8/kib.html
Weitere Informationen können Sie der Power-Point-Präsentation (PDF-Format/400KB) von Nadia Kutscher entnehmen.
Der Sonntag (02.05.) startete mit der Vorstellung eines in Österreich praktizierten Einsatzes freier Software in der Wiener Jugendarbeit. Dort wurden im Rahmen des JuX-Projektes (http://jux.netbridge.at/) für die Jugendarbeit dezidiert angepasste EDV-Lösungen auf Basis des Betriebssystems LINUX entwickelt. Linux ist Freie Software und basiert somit auf einem System offener Quellen. Es ist das Paradebeispiel eines frei zugänglichen, also offenen Wissenssystems, dessen kreatives Potenzial denen zur Verfügung steht, die imstande sind, davon Gebrauch zu machen. Eine kooperative Initiative Freier Software Entwickler hat in Wien eine benutzerfreundliche CD-ROM für die Jugendarbeit entwickelt, die es möglich macht, ein umfassend ausgestattetes Betriebssystem auf dem Computer zu nutzen, das sich einfach über Icons navigieren lässt. In Österreich kommt die CD-ROM so gut an, dass sie zurzeit vergriffen ist. Es wäre möglich, im Rahmen der Bundesinitiative über einen Lizenzvertrag weitere CDs produzieren und in den Jugendeinrichtungen verteilen zu lassen. Gerade für die Verteilung wäre aber eine Kooperation mit Partnern unverzichtbar. Im Plenum gab es Interesse an einer entsprechenden Aktion.
Als nächster Programmpunkt stellte Sebastian Ring von der PA Spielkultur ein selbst erstelltes Tutorial zur Nutzung einer relativ komplexen Software zur Erstellung eines Atavars vor (http://www.schoenemedien.de/itsme/). Es wäre denkbar, im Rahmen der Bundesinitiative ähnliche Tutorials zur Nutzung spezifischer Software für die medienpädagogische Arbeit zu entwickeln. Im Plenum gab man allerdings zu bedenken, dass ein solches Tutorial in Jugendeinrichtungen nicht ohne die entsprechende personelle Begleitung anwendbar wäre. Davon abgesehen bestand jedoch deutliches Interesse an vergleichbaren Angeboten.
Abschließend gab Michael Lange vom Wannsee-Forum (http://www.virtuellewelt.de) einen kurzen Einblick in den vom ihm entwickelten 3-D-Chat „Cyberland“. Im Cyberland können Nutzer/-innen in grafischen Räumen mit selbstgestalteten Avataren chatten. Auch dies ist ein Beispiel für die weitere Gestaltung von Lern- und Erfahrungsräumen auf dem Jugendportal.
Wir danken allen Referentinnen und Referenten für ihre Beiträge!
Hier geht es zu einer Bildergalerie mit Impressionen aus den drei Seminartagen.








