Integration und Partizipation

Ergebnisse der Untersuchung »Jugendinformation – offen für alle?!«


In der neuen Projektphase des Jugendinfonetzes, die 2009 begann und zunächst für drei Jahre vom BMFSFJ gefördert wird, liegt der inhaltliche Schwerpunkt auf Integration und Partizipation (Zugang und Beteiligung von Jugendlichen).
Die empirische Untersuchung zum Thema »Jugendinformation – offen für alle?!« ist ein Beitrag zum Schwerpunktthema Integration. Die wesentlichen Ergebnisse werden in folgendem Abschnitt dargestellt.

Zu den Zielen der Studie zählte die Beantwortung der Frage, inwieweit Jugendinformationsdienste allen Jugendlichen offen stehen. Des Weiteren sollte der Ist-Stand der Dienste erfasst sowie Handlungsvorschläge für sie generiert werden. Als Methoden wurden eine Internetrecherche nach Jugendinformationsdiensten in Deutschland im Juli 2009 sowie eine Onlinebefragung im August 2009 durchgeführt. Befragungszielgruppe für den Online- Fragebogen waren alle (gefundenen) Jugendinformationsdienste in Deutschland (40 Jugendinformationsdienste, davon 27 reine Onlineportale und 13 Jugendinformationsdienste mit Publikumsverkehr).

Struktur der antwortenden Jugendinformationsdienste

29 Einrichtungen (das entspricht einer Fragebogenrücklaufquote von 74 %) nahmen an der Befragung teil, davon 49 % Jugendinformationsdienste mit Publikumsverkehr, 41 % reine Onlinedienste und 2 % sonstige Einrichtungen. In den meisten Einrichtungen (86 %) sind (Sozial-) Pädagog(inn)en beschäftigt. In gut einem Drittel der Dienste sind weniger als eine Vollzeitstelle für Jugendinformation zuständig, in 28 % zwischen einer und weniger als zwei Stellen und in 38 % zwei Stellen und mehr. Die meisten Einrichtungen sind in Trägerschaft von Städten/ Landkreisen (38 %), danach folgen Stadt- und Kreisjugendringe sowie eingetragene Vereine (jeweils 21 %); nur wenige gehören zu Stiftungen oder anderen Non-Profit-Organisationen.



Angebotene Themenbereiche

Insgesamt bieten die meisten Jugendinformationsdienste eine große Themenvielfalt an. Die häufigsten Themenbereiche sind Freizeit, Arbeit, Medien, Bildung und administrative Hilfen. Als konkrete Themenschwerpunkte wurden Freizeit und Ausland am häufigsten genannt.


Methoden der Informatonsvermittlung

Die häufigsten Methoden der Informationsvermittlung sind: Veranstaltungen, Internet, Informationen via E-Mail. 71 % der Einrichtungen erfassen Daten über ihre Kunden. Folgende Daten werden oft erfasst: Internetbesucher und Themen. Als Methoden der Evaluation werden meist Webstatistik und Benutzerbefragungen genannt.



Nutzergruppen

Jugendliche im Alter zwischen 18 und 20 Jahre nutzen einen Jugendinformationsdienst am häufigsten. Vom (Aus-)Bildungsstand her gesehen zählen bildungsnahe Jugendliche, insbesondere Gymnasiasten, und Jugendliche in Überbrückungssituationen zu den häufigsten Nutzer(inne)n. Am seltensten werden sie von 12- bis 14-Jährigen sowie von 24- bis 26-Jährigen in Anspruch genommen. Jugendliche in Arbeit, Förder- und Hauptschüler/-innen, Student(inn)en, bildungsferne Jugendliche sowie junge Leute mit Migrationshintergrund und arbeitslose Jugendliche nutzen sie am seltensten. Als Gründe der Nicht- oder Wenignutzung wurde von den befragten Jugendinformationsdiensten am häufigsten der »mangelnde Bekanntheitsgrad « des Angebotes genannt. Weitere Vermutungen waren: ein möglicher falscher Informationsschwerpunkt der Einrichtung, Inhalt und Design sprechen die Jugendlichen nicht an, bzw. Informationen werden von den Heranwachsenden auf andere Art und Weise beschafft.





Resümee der Studie

In vielen Städten, Regionen und Bundesländern Deutschlands sind Jugendinformationsdienste nicht bzw. kaum vorhanden. Die existierenden Angebote sind offen für alle Jugendlichen und bieten eine große Vielfalt an Themen und Methoden an. Jugendinformationsdienste können voneinander profitieren, da sie unterschiedliche Schwerpunkte und Hauptzielgruppen besitzen. Als Hauptdefizite wurden der geringe Bekanntheitsgrad und die mangelnde Verbreitung in Deutschland herausgearbeitet.

Nationale und internationale Perspektiven

Auf europäischer Ebene wurden in den letzten Jahren viele Daten über Jugendinformation zusammengestellt und erste Schritte der Weiterentwicklung des Bereiches unternommen (z. B. über verstärkten Fachkräfteaustausch von Mitarbeiter(inne)n in Jugendinformationsdiensten aus verschiedenen Ländern). Nächste Maßnahmen könnten sein, durch Fördermittel Anreize für Jugendinformation zu schaffen, so dass in Ländern der EU, in denen bisher wenig oder keine Jugendinformationsdienste vorhanden sind, Angebote entstehen bzw. die Anzahl der Einrichtungen zunimmt. Beide Formen (reine Online-Portale sowie Jugendinformationszentren) sollten bei Fördermitteln Berücksichtigung finden. Des Weiteren wurde bei den Recherchen deutlich, dass im Bereich Jugend und Information bzw. Jugendinformation bisher zu wenig geforscht wurde. Hier besteht eine Wissenslücke die auf europäischer Ebene geschlossen werden sollte. Da es in Europa einige Länder gibt, in denen viele Jugendinformationsdienste mit innovativen Ansätzen existieren, wäre es zielführend, auf europäischer Ebene eine Datenbank mit Good-Practice-Beispielen aus der Jugendinformation zu erstellen.26 Auf nationaler Ebene ist es sinnvoll, weiterhin die Vernetzung der Jugendinformationsdienste zu fördern, um deren Austausch und Weiterentwicklung zu unterstützen. Auch auf Bundesebene wäre die Bereitstellung von Fördermitteln wünschenswert. Weitere Perspektiven könnten eine gesetzliche Verankerung von Jugendinformation als Arbeitsfeld im SGB VIII sein sowie die Diskussion über Jugendinformation in entsprechenden Mitwirkungsgremien des Bundes.

Das Jugendinfonetz als freiwilliger Zusammenschluss der Jugendinformationsdienste in der Bundesrepublik könnte als nächste Aufgaben folgende angehen: die Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit für die Jugendinformation ausbauen, die Entwicklung einer klaren Definition von Jugendinformation in Deutschland forcieren, ein eigenes Label für die Jugendinformation entwickeln, das Fachwissen untereinander vernetzen, Fortbildungsveranstaltungen für erfahrene Jugendinformationsmitarbeiter/-innen anbieten sowie die Organisation von Experten-Gruppendiskussionen initiieren. Auch die einzelnen Einrichtungen der Jugendinformation haben die Möglichkeit, das Arbeitsfeld weiter zu entwickeln. Perspektiven hierzu sind ein aktives Engagement im Jugendinfonetz, der Austausch von Methoden und Themen untereinander sowie die Diskussion der Ergebnisse der hier vorgestellten Studie in den einzelnen Einrichtungen. Nach Ansicht der Autorin sollte das Arbeitsfeld Jugendinformation auf allen politischen Ebenen voran getrieben werden, so dass Jugendliche in Deutschland und Europa in naher Zukunft auf ein lückenloses Netz von Jugendinformationsdiensten zugreifen können, wodurch sich ihre Chancen auf eine aktive gesellschaftliche Beteiligung sowohl lokal als auch europaweit verbessern würden.

Autorin: Annette Kappes
Auszug aus dem Artikel "Jugendinformation in Deutschland und Europa - Stand und Perspektiven", veröffentlicht im Forum Jugendarbeit international 2008 - 2010, herausgegeben von IJAB, Fachstelle für internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland

Annette Kappes führte die Umfrage im Rahmen ihrer Masterarbeit durch.